Soviel vorweg, es war nicht meine Idee an einem Radrennen (über 3 Pässe) teilzunehmen! Ok, eventuell irgendwann einmal das kleine Alpenbrevet. Aber nicht jetzt - jetzt ist Triathlon angesagt.
Da ich meine Wettkampfsaison relativ früh gestartet habe, musste ich irgendwo einen Break einplanen. Dieser war für Juli gedacht. Ein ganzer Monat ohne Triathlonwettkämpfe. Das Training sollte plus minus wie bisher weiterlafuen und ab und zu noch ein paar längere Einheiten enthalten, die ich mit Wettkämpfen nicht hätte machen können.
Da kam von meinem Freund und ebenfalls Triahtlet die Frage, ob wir denn an besagtem Weekend einen Event hätten. Nein, wieso? Es gäbe da in Airolo ein neues Radrennen "Granfondo San Gottardo". Ein Kolleg mache auch mit, er möchte auch starten - wie sieht's mit dir aus? Wollen wir nicht ein schönes Weekend im Tessin machen?
Gesagt getan, ein romantisch-sportliches Ticino-Weekend stand uns bevor.
Am Samstagmorgen - wohlbemerkt im grösstem Sommerferienverkehr - fuhren wir also nach Airolo. Auf der Passhöhe vom Gotthard zeigte das Thermometer bescheidene 5°C an, unten in Airolo beim Startnummern abholen dann wieder 21°C.
Wir verbrachten einen wunderschönen sonnigen Samstag mit Kaffeetrinken in Bellinzona, Mittagessen auf der Piazza Grande in Locarno und feinem Nachtessen im Hotel in Bedretto. Gestärkt und ausgeruht, konnte die grosse Tour also kommen. Wenn auch die Wettervorhersage traurig aussah. Als Triathleten (und nicht Radfahrer) machten wir den Deal, Petrus entscheiden zu lassen ob wir starten oder nicht. Bei Regen wollten wir kein Risiko eingehen, und hätten uns einen zweiten gemütlichen Tag gemacht. Oder wären nach Italien zum Velotraining geflüchtet :-)
Es regnete nicht, verriet der Blick aus dem Fenster. Dieser Blick verriet aber auch, dass es in der Nacht oben geschneit haben muss, denn der Gotthard hatte einen weissen Schimmer... Bei Der Start war für 7 Uhr angesagt und pünktlich fanden wir uns auf der Flugplatz-Landepiste in Ambri ein (schon wieder Gigathlonfeeleng mit dem Flugplatz!)
Nun wurde mitgeteilt, dass die Strecke wegen schneebedeckten Strassen auf der Furka und dem Nufenen abgeändert wurde. Neu hiess es Airolo - Gotthard Hospiz - Casanova - Altanca - Airolo - Gotthard - Hospiz - Ambri, ca. 100km und 2000 Höhenmeter. Der Start war auf 8:00 uhr verschoben worden, in der Hoffnung es würde dann wärmer werden.
Nun, beim ersten Mal Gotthard wars zugegeben Eiskalt. Unten noch angenehem, mit jedem Meter weiter oben um einiges kühler. Ab der Hälfte kam ein bissiger Wind dazu, welcher ebenfalls mit jedem Höhenmeter intensiver wurde. Kurz vor Passhöhe dann Nebel, eisige Luft und Böhen, die einem schier vom Rad bliesen...! Abenteuer pur!
Die Abfahrt auf der neuen Passstrasse war entsprechend frisch und irgendwann machte ich mir sorgen ob die kalten Finger die Bremsen noch im Griff hatten (das war ungefähr dort wo mein Tacho über 80km/h anzeigte!)
Die zweite Steigung auf Altanca wollte nicht mehr aufhören. Da weiter unten im Tal gelegen, waren die Temperaturen jetzt deutlich gestiegen, die Sonne brannte.
Das Zweite Mal den Gotthard hoch zu kneten war dann eine ziemliche Tortour. Eigentlich wollte ich ja vorzeitig aufhören. Aber der Dickschädel war zum Glück stärker! Also schaute ich, irgendwie nochmals da hoch zu kommen. Irgendwie hat es dann auch geklappt und überglücklich kam ich nach über 6 Stunden als 15. Frau ins Ziel. (Wo mein Freund, bereits umgezogen, verpflegt und relaxt steht und mich in Empfang nimmt...)
So schaut es aus, wenn ein Triathletenpaar spontan ein Weekendausflug macht :-) Es war wieder ein grosses Erlebnis, dass ich nicht missen möchte. Merci!

