Montag, 25. Juli 2011

Gigathlon [ Team of five ] als Bergläuferin



Es ist allgemein bekannt, das Triathleten auf verrückte Dinge stehen. Es überrascht also nicht, dass auch ich mich gerne einmal in das Abenteuer Gigathlon stürzen wollte. Das dies aber so bald geschehen würde, hätte auch ich nicht gedacht!



Circa 6 Wochen vor dem Event kam von meinem Trainer die Anfrage, ob ich denn jemanden kenne, der als Bergläufer für ein Gigathlonteam in Frage kommen könnte. Ich kennen niemanden solches, daher antwortete ich - aus Spass - ich könnte den Job ja übernehmen. (Es sei hier wieder einmal erwähnt, dass Laufen nach wie vor alles andere als meine Stärke ist!). Da wurde aus meinem Spass dann plötzlich ernst und ich war in einem sogenannten Team of Five mit an Board...
An einem Gigathlon werden die Disziplinen Inline, Schwimmen, Rennvelo, Mountainbike und Laufen absolviert. Es gibt die Kategorie Single, in der ein Athlet alle Disziplinen macht. Eine weitere Kategorie sind die Couples, wo sich zwei Athleten die Disziplinen aufteilen und die 'Team of five'-Kategorie, in der jeder Athlet eine Disziplin abdeckt.
Der Gigathlon findet jedes Jahr in einer anderen Region statt, das Tessin, die Romandie und Graubünden waren zum Beispiel schon Austragungsorte. 2011 war das Wallis der Austragungsort. Eine ausgesprochen schöne, aber auch anspruchsvolle Kulisse bietet die Region um Sion. Die bekannte Zeltstadt, wo die Athleten wärend der 3 Wettkampftage "wohnen" war in Truttmann (bei Leuk) auf dem Flugplatz.
Im Teambus reisten wir am Freitagnachmittag an, die beiden Velofahrer richteten bereits ihre Startplätze ein und danach traf man sich im grossen Zelt zum Pasta essen. Es wurden bereits Flugaufnahmen der Strecke auf Grossleinwand gezeigt und dazu motivierende Musik gespielt... Das gab Gänsehaut. So viele Leute an einem Ort, alle mit dem gleichen Ziel. Alle vorfreudig, (an)gespannt und allei ein Teil vom Ganzen. Ich spürte den vielbesagten Gigathlonspirit.

Am Samstag hiess es für mich dann von Crans Montana auf die Plaine Morte zu Rennen. Eine Strecke von 14Km mit 1'600 Höhenmetern. Eine Summe, die ich mir gar nicht vorstellen konnte. Während ich auf unseren Schwimmer wartete - dieser überreicht mir den Zeitmesschip - machte sich ein mulmiges Gefühl breit. Schaffe ich das überhaupt? Bin ich genug warm angzogen? In Crans ist es sommerlich, auf knapp 3'000 M.ü.M. liegt noch Schnee. Habe ich genügend Verpflegung dabei? Was mache ich, wenn ich es nicht schaffe. Nein, ich werde es schaffen! Bestimmt!
Dem war dann auch so :-) Die ersten 5 Kilometer führten entlang von Weiden, durch Wälder über angenehme Wanderwege. Danach wurde es immer steiler, die Wege immer schmaler. Als ich dann die letzten Bäume passierte wusste ich, jetzt gehts erst richtig hoch. Das Rennen, wurde immer mehr zum Joggen und schlussendlich zum Walking. Beruhigend, dass es den anderen genau gleich ging. Als der Weg dann endete und es hiess durch Geröllhalden und Felsen zu marschieren spielte sich vieles in meinem Kopf ab. "Wie weit noch? Wird das Gelände noch schwieriger? Nicht stolpern, links geht es senkrecht die Felswand hinauf, rechts senkrecht herunter. Was mache ich hier eigentilch? Es ist so kalt. Ist mir schwindlig? Mir ist schwindlig. Habe ich zu wenig getrunken? Hoffentlich werde ich nicht Höhenkrank, wie diejenigen, die am Wegrand stehen, mit den Händen auf die Knie gestützt und den Kopf gesenkt. Jetzt durchbeissen, bald ist es geschafft." Ich kam mir da oben vor, wie ein Bergsteiger auf der Annapurna... Im Nachhinein kann ich sagen, es war sensationell - und zwar im Positiven! Eine (Grenz-)Erfahrung, die ich nie bereuen werde!

Nach dieser Erklimmung hiess es, mit der Luftseilbahn herunter nach Crans Montana. Das Warten auf die Bahn war eine Tortur. 30 Minuten stehend zu verbringen, nachdem man 2 Stunden und 41 Minuten den Berg hinauf gehetzt ist, ist alles andere als lustig. Aber auch das ging vorbei und unten beim Rest des Teams angekommen, war auch dieser Schmerz schnell vergessen.

Der Nächste Tag brachte dann die nächste Herausforderung. 14 Kilometer von Zermatt auf das Gornergrat auf 3'100 Meter über Meer. Nachdem ich aber am Samstag erfahren habe, dass ich so etwas packe, ging ich ziemlich entspannt an den zweiten Berglauf. Die Gefühle waren bei weitem nicht mehr so intensiv und bewegend, dafür konnte ich die wunderschöne Strecke mit Blick zum Matterhorn richtig geniessen. In dem ich diesen Lauf mit 1'560 Höhenmetern in nur einer Minute mehr, als der am Vortag beendete, wusste ich, dass ich meine Kräfte richtig eingeteilt habe.

Es war ein unbeschreibliches Erlebnis und ich möchte auf jeden Fall auch nächstes Jahr wieder in irgend einer Form am Gigathlon teilnehmen.

Ein paar Impressionen findet ihr unter Bilder